Der Tod eines nahestehenden Menschen ist eine Ausnahmesituation. Neben der Trauer kommen viele organisatorische Aufgaben auf die Angehörigen zu. Besonders kompliziert wird es, wenn der Verstorbene im Ausland gelebt hat, Vermögen in mehreren Ländern besaß oder Erben in verschiedenen Staaten wohnen. Dann müssen Dokumente über Grenzen hinweg anerkannt werden, und fast immer wird eine Übersetzung benötigt.
Wer eine Sterbeurkunde übersetzen lassen muss, möchte vor allem eines: dass es schnell und ohne Rückfragen funktioniert. Dieser Beitrag erklärt, worauf es ankommt.
Wann eine Übersetzung nötig ist
Eine ausländische Sterbeurkunde wird in Deutschland zum Beispiel benötigt, um einen Erbschein zu beantragen, Konten aufzulösen, Versicherungsleistungen zu erhalten, Renten abzumelden oder Grundbucheinträge zu ändern. Umgekehrt brauchen Behörden im Ausland oft eine Übersetzung einer deutschen Sterbeurkunde, wenn dort Vermögen vorhanden ist.
In fast allen Fällen verlangen Gerichte, Banken und Versicherungen eine beglaubigte Übersetzung durch einen vereidigten Übersetzer.
Das europäische Erbrecht
Seit 2015 gilt in der EU die Europäische Erbrechtsverordnung. Sie regelt, welches Recht auf einen Erbfall anzuwenden ist und welches Gericht zuständig ist. In der Regel ist das der letzte gewöhnliche Aufenthalt des Verstorbenen. Mit dem Europäischen Nachlasszeugnis können Erben ihre Rechte in anderen Mitgliedstaaten nachweisen. Informationen dazu bietet das Europäische Justizportal. Trotz dieser Vereinfachungen bleiben Übersetzungen von Urkunden oft unverzichtbar.
Welche Dokumente zusammen gebraucht werden
- Sterbeurkunde des Verstorbenen;
- Geburts- und Heiratsurkunden zur Feststellung der Verwandtschaft;
- letztwillige Verfügungen und Erbverträge;
- Kontoauszüge und Versicherungspolicen;
- Grundbuchauszüge und Kaufverträge für Immobilien;
- Erbscheine oder Nachlasszeugnisse aus anderen Ländern.
Es ist sinnvoll, alle Dokumente gemeinsam übersetzen zu lassen. So bleiben Namen, Daten und Orte über alle Unterlagen hinweg einheitlich.
Apostille nicht vergessen
Viele Nachlassgerichte verlangen zusätzlich zur Übersetzung eine Apostille oder Legalisation der ausländischen Sterbeurkunde. Innerhalb der EU gibt es für bestimmte öffentliche Urkunden Erleichterungen. Die Regeln hängen jedoch vom Ausstellungsland ab. Wichtig ist auch hier: Erst die Apostille auf das Original, dann die Übersetzung.
Immobilien in Belgien und den Niederlanden
Viele Deutsche besitzen Ferienhäuser an der belgischen oder niederländischen Küste. Im Erbfall müssen deutsche Dokumente dort vorgelegt werden, und Unterlagen aus Flandern müssen in Deutschland verstanden werden. Ein Übersetzer für Flämisch Deutsch kennt die belgischen Notarurkunden und Grundbuchauszüge und sorgt dafür, dass Notare auf beiden Seiten der Grenze mit den Dokumenten arbeiten können.
Familiengeschichte und alte Dokumente
Manchmal führen Erbfälle oder Ahnenforschung zu sehr alten Dokumenten. Briefe, Urkunden und Gemeindebücher jüdischer Familien aus Osteuropa sind häufig auf Jiddisch oder Hebräisch verfasst. Ein erfahrener Übersetzer für Jiddisch Deutsch kann solche Quellen entschlüsseln und so wertvolle Hinweise auf Verwandtschaftsverhältnisse liefern, die für die Feststellung von Erben wichtig sein können.
Namen und Schreibweisen
Wie bei allen Personenstandsurkunden ist die Schreibweise der Namen entscheidend. Weichen Namen in der Sterbeurkunde von denen in anderen Dokumenten ab, fragen Gerichte nach. Geben Sie dem Übersetzer deshalb Kopien von Pässen oder anderen Urkunden, die die korrekte Schreibweise zeigen. Bei historischen Dokumenten ergänzt der Übersetzer abweichende Schreibweisen in einer Anmerkung.
Sensibler Umgang mit Daten
Sterbeurkunden enthalten persönliche Angaben, oft auch zur Todesursache. Professionelle Übersetzungsdienste behandeln diese Informationen vertraulich, nutzen sichere Übertragungswege und halten die Datenschutzvorgaben ein. Das ist für Angehörige gerade in dieser Situation besonders wichtig.
Kosten und Bearbeitungszeit
Die Übersetzung einer Sterbeurkunde wird meist zu einem Festpreis angeboten. Die Bearbeitung dauert in der Regel wenige Werktage. Wer mehrere Dokumente für einen Nachlass übersetzen lässt, sollte ein Gesamtangebot einholen. Eilaufträge sind möglich, kosten aber einen Aufschlag.
Unterstützung annehmen
Internationale Erbfälle sind komplex. Neben dem Übersetzer können Notare, Fachanwälte für Erbrecht und Steuerberater wichtige Partner sein. Ein gut koordiniertes Team spart Zeit und verhindert Fehler, die später teuer werden können. Viele Übersetzungsbüros arbeiten eng mit Notaren und Kanzleien zusammen und kennen deren Anforderungen.
Praktische Hinweise für Angehörige
- Mehrere Originale der Sterbeurkunde beim Standesamt bestellen.
- Frühzeitig klären, in welchen Ländern Vermögen vorhanden ist.
- Die Anforderungen jedes beteiligten Gerichts oder jeder Bank erfragen.
- Alle Übersetzungen gesammelt bei einem Dienstleister beauftragen.
- Digitale Kopien aller Unterlagen sicher aufbewahren.
Renten und Versicherungen im Ausland
Hat der Verstorbene in mehreren Ländern gearbeitet, bezog er unter Umständen Renten aus verschiedenen Staaten. Jede dieser Rentenkassen muss über den Todesfall informiert werden, meist mit einer Sterbeurkunde in der jeweiligen Landessprache oder mit einer beglaubigten Übersetzung. Gleiches gilt für Lebensversicherungen, Betriebsrenten und Krankenversicherungen. Wer diese Meldungen zügig erledigt, vermeidet Überzahlungen, die später zurückgefordert werden, und kann Hinterbliebenenleistungen schneller beantragen.
Hilfreich ist eine einfache Liste aller Stellen, die informiert werden müssen, zusammen mit der jeweils verlangten Form der Urkunde. Manche Stellen akzeptieren eine Kopie, andere bestehen auf einem beglaubigten Exemplar. Mit dieser Übersicht lässt sich genau planen, wie viele Übersetzungen bestellt werden müssen.
Bestattung und Überführung
Stirbt ein Angehöriger im Ausland und soll in Deutschland beigesetzt werden, sind für die Überführung ebenfalls Dokumente nötig. Bestattungsunternehmen mit internationaler Erfahrung kennen die Abläufe und arbeiten häufig mit Übersetzern zusammen, damit Sterbeurkunde, Leichenpass und weitere Bescheinigungen rechtzeitig vorliegen.
Fazit
In einer schweren Zeit sollten Formalitäten nicht zur zusätzlichen Belastung werden. Mit einer beglaubigten Übersetzung der Sterbeurkunde, der richtigen Apostille und einer guten Koordination lassen sich auch internationale Erbfälle geordnet abwickeln. Ein erfahrener Übersetzer ist dabei ein verlässlicher Begleiter.
